Fragen und Antworten

 

F: Was seid ihr nicht?

A: Wir sind keine therapeutisch arbeitende Gruppe, wir ersetzen keinen Arzt und keine Therapie. Wir sind keine Anlaufstelle für suizidgefärdete Personen. Wir bieten keine individuelle Trauerbegleitung an, auch nicht telefonisch.

Wir sind eine offene Gruppe von Personen die einen Angehörigen oder eine nahestehende Person durch Suizid verloren haben. Wir bieten einen im Gruppenrahmen stattfindenen Austausch auf Augenhöhe an, d.h. kein Teilnehmer ist vor den andereren ausgezeichnet. Das Prinzip des "Gebens und Nehmens" ist wesentlich, beides kann eine wohltuende Erfahrung sein.

 

F: Wo kann ich mehr über AGUS e.V. erfahren?

A: Zum Beispiel auf der Homepage des Vereins: www.agus-selbsthilfe.de

 

F: Wo befindenen sich die zu Darmstadt nächstgelegenen AGUS-Selbsthilfegruppen?

A: Südlich Heidelberg, westlich Mainz, östlich Aschaffenburg, und nördlich Frankfurt.

Eine Karte aller AGUS-Selbsthilfegruppen finden Sie auf der Bundesseite des Vereins:

www.agus-selbsthilfe.de/agus-gruppen

Eine Suchmaschiene für die zu Ihnen nächstgelegenen AGUS Gruppe finden Sie unter:

www.agus-selbsthilfe.de/nc/agus-gruppen/suche-nach-agus-gruppen/

 

F: Muss man aus Darmstadt oder Umgebung sein, um die Darmstädter AGUS Gruppe besuchen zu dürfen?

A: Nein. Ihr Wohnsitz spielt keine Rolle.

 

F: Muss man katholisch sein oder studieren um Ihr Angebot nutzen zu können? Weil die Räumlichkeiten von der Katholischen Hochschulgemeinde Darmstadt gestellt werden ...

A: Nein, jeder  der einen Angehörigen oder nahestehenden Menschen durch Suizid verloren hat, kann unser Angebot wahrnehmen. Konfession oder Hochschulzugehörigkeit spielen keine Rolle.

 

F: Ist es egal, zu welchem Gruppentermin ich komme? Gibt es einen Turnus?

A: Es gibt keinen Turnus. Jeder Termin, kann Ihr Erster sein.

 

F: Ich weiß nicht, ob ich es schaffe, über das Geschehene oder meine Gefühle zu sprechen, aber ich möchte trotzdem kommen – kann ich auch schweigend zuhören?

A: Wir freuen uns über jeden Menschen, der den Mut und die Kraft finden, zu uns zu kommen. Sie müssen nichts erzählen, was Sie nicht erzählen wollen. Wenn Sie erst einmal nur zuhören wollen ist das völlig in Ordnung.

 

F: Bei mir ist der Suizid gerade erst/ vor wenigen Wochen passiert. Ich bin noch komplett aufgewühlt und suche händeringend um Hilfe. Bin ich bei Ihnen richtig?

A: Bei uns ist jeder Betroffene willkommen. Sie entscheiden selbst, ob Sie sich bereit fühlen, in einem Kreis mit anderen Betroffenen in Austausch zu treten. Es kann eine kleine Linderung sein, sich mit Menschen zu unterhalten die ähnliches erlitten haben und diese zu Fragen was ihnen geholfen hat die Phase der akuten Trauer durchzustehen. Es muss an dieser Stelle allerdings nachdrücklich betont werden, dass eine Gruppe zur Selbsthilfe keine professionelle therapeuthische Sitzung oder medizinische Behandlung ersetzen kann. Wir sind dazu keine Alternative. Wenn Sie sich in einer akuten Notsituation befinden stehen Ihnen z.B. die Rufnummern auf der Begrüßungsseite unten zur Verfügung. Link zur Begrüßungsseite.

 

F: Darf ich meinen Partner zur Unterstützung mitbringen?

A: Ja. Sie müssen die Treffen nicht alleine bestreiten. Sagen Sie uns einfach per E-Mail oder telefonisch kurz Bescheid, dass wir genug Plätze bereitstellen können.

 

F: Bei mir ist der Suizid schon viele Jahre her. Bin ich bei AGUS trotzdem richtig?

A: Ja, Trauerprozesse, Menschen und Lebensumstände sind individuell. Jeder Fall ist besonders. Ob es wenige Monate oder Jahrzehnte her ist: jeder Betroffene ist uns willkommen.

 

F: Ich habe keinen nahen Verwandten sondern einen Freund oder einen lieben Kollegen durch Suizid verloren. Darf ich trotzdem zu AGUS kommen?

A: Ja, dürfen Sie.

 

F: Ist eine anonyme Teilnahme möglich?

A: Sie entscheiden, welche Informationen Sie von sich preisgeben. Sie müssen keine persönlichen Daten für die Teilnahme hinterlassen. Manche Betroffene tauschen sich über die Gruppe hinaus aus und treffen sich z.B. im privaten Rahmen. Das entscheiden Sie allerdings ganz persönlich für sich. Im Sinn der vertrauensvollen Atmosphäre finden wir es allerdings wichtig sich mit Namen anzusprechen. Alles was in den Sitzungen besprochen wird, sollte den Personenkreis nicht verlassen.

 

F: Was ist das Ziel einer Sitzung?

A:  Es muss unterschieden werden, zwischen dem individuellen Ziel,  eines jeden Betroffenen und dem Ziel, dass wir als Leitung verfolgen. Beides hängt mit einander zusammen, denn wir möchten alle Betroffene bei der Erreichung ihres Individuellen Zieles nach Kräften unterstützen. Dies kann man wohl als unser Hauptziel bezeichnen. Wir versuchen dafür den Sitzungen einen atmosphärischen Rahmen und guten Diskussionsverlauf zu geben, in diesem es zu Austausch und Kontaktknüpfungen kommt. Haben wir das geschafft, beurteilen wir die Sitzung als gelungen. Wir hoffen sehr, das jeder Betroffene mit einem kleinen Stück Linderung nach Hause gehen kann. Die Erfahrung zeigt dass dies oft gelingt. Es kann aber auch sein, dass eine Gruppensitzung im ersten Moment als anstrengend und aufwühlend, und erst nach einigen Tagen Abstand als Schritt in die richtige Richtung empfunden wird. Die Auseinandersetzung mit der Trauer und den Ereignissen ist ein Prozess und wird Zeit in Anspruch nehmen. Achten Sie selbstverantwortlich auf sich und prüfen Sie was Ihnen gut tut und ob Sie sich Ihrem Ziel nähern.

 

F: Wie läuft eine Sitzung, ein Treffen ab?

A: Im Idealfall erscheinen Sie ein paar Minuten früher, um in Ruhe in der für Sie neuen Umgebung anzukommen. Wir starten in der regel pünktlich um 15 Uhr in einem Stuhkreis um eine dekorierte Mitte. Als erstes stellt sich der Leiter vor und begrüßt die Anwesenden. Inhaltlich geht es damit los, dass alle wichtigen Regeln und Umgangsformen wiederholt werden, dass alle auf dem gleichen, aktuellen Stand sind, u.U. werden dann einige Ankündigungen verlesen. Damit jeder weiß wer im Kreis sitzt und über welche Themen man sich austauschen möchte, folgt der Verlesung der Gruppenregeln, eine kurze Vorstellungsrund in der man seine Betroffenheit oder was einen zur Zeit bewegt schildern kann. Sollte jemand sich kurz fassen oder gerade nicht sprechen können, ist das ok. Nach der Vorstellungsrunde ergeben sich oft von selbst weitere Fragen und Themen über die man sich dann in der Runde austauscht. Ca. 15 Minuten vor Ablauf der 2 Stunden, die der offizielle Teil eines jeden Treffens dauert, versuchen wir in einer Schlussrunde nocheinmal jeden zu Wort kommen zu lassen und u.U. mit einem Gedicht, einem Text oder einem anderen Impuls diesen ausklingen zu lassen.

Im Anschluss an die Gesprächsrunde, hat man die Gelegenheit bei Kaffe und anderen Getränken, runterzukommen, zu reflektieren, sich weiter auszutauschen und für sich einen Abschluss des Treffens zu finden, der sich stimmig anfühlt.

Abschließend sei hier erwähnt, dass ein Hinzustoßen zu einer begonnen Gruppensitzung, nach der Verlesung der Gruppenregeln, nur in Ausnahmefällen möglich ist. Planen Sie also bei Ihrer Anreise mit einem Puffer für Eventualitäten.

 

F: Gibt es Regeln?

A: Ja, gibt es. Die wichtigsten Regeln in kürze lauten:

Wir sprechen von "Suizid", nicht etwa von Selbstmord, Freitod, oder ähnlichem.

Wir vergleichen nicht und wir werten nicht die Umstände des Suizids.

Wir schildern nicht die genauen Umstände des Suizids.

Wir wollen sehr bewusst, mit Ratschlägen umgehen, denn gut gemeint ist nicht immer gut gemacht und was für mich gut ist muss es nicht zwangsweise für andere sein. Im Idealfall erbittet man einen Ratschlag. Wir wissen, dass diese Regel in einem Graubereich liegt, denn ein guter Rat im rechten Moment kann auch sehr wertvoll sein. Es liegt also die Betonung auf dem "bewussten Umgang".

Man sagt sehr treffend "Der Ton macht die Musik.". Man kann sehr vieles ausdrücken, wenn man seine Worte mit Bedacht wählt und den richtigen Ton trifft. Der respektvolle Umgang miteinander ist bei der sensiblen Thematik unabdingbar.

Auf die Einhaltung der Regeln achtet der Gruppenleiter. Alle Regeln dienen letztlich der Schaffung einer gesunden Gesprächsatmosphäre und haben sich bewährt.

 

F: Wie setzt sich eine Gruppe nach Teilnehmerzahl und Alter zusammen?

A: Diese Frage kann nur grob beantwortet werden, denn die Zahlen schwanken und letztlich wissen wir nie genau wieviele Personen kommen werden. Wir waren sehr oft in der Vergangenheit 13 Personen. Man kann sagen, dass ehr Frauen das Angebot wahrnehmen als Männer, doch gab es bisher noch keine Gruppensitzung an der ausschließlich Frauen teilgenommen haben. Die Altersspanne reicht von 18 bis über 70 Jahre, oft waren Menschen aus jeder Lebensdekade zwischen 20 und 80 vertreten.

Unabhängig davon, wieviele Personen kommen werden, findet die Sitzung statt.

 

F: Was "qualifiziert" die Leitung einer Gruppe zu deren Tätigkeit?

A: Jeder Gruppenleiter ist, wie alle Teilnehmer selbst Betroffener. Dies möchte man nicht als Qualifikation bezeichnen, doch bringt dieser Umstand ein gewisses Maß an Verständnis und Einfühlungsvermögen mit sich. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Leiter einer AGUS Gruppe, wird dieser vom Bundesverband, im Rahmen von zwei Seminaren aus- und weitergebildet. Oft liegt die Leitung einer Gruppe auch nicht in den Händen eines Einzelnen, sondern es gibt ein Leitungsteam in dem sich die Expertiese der Mitglieder sammelt. AGUS Gruppen stehen i. A. untereinander und mit dem Bundesverband im Austausch so dass ein großer Fundus an Wissen und Erfahrung vorhanden ist. Das Leitungsteam in Darmstadt besteht zur Zeit aus zwei Mitgliedern, einer Frau und einem Mann, mit insgesammt langjähriger Leitungserfahrung.

  

Diese Auflistung wird fortgeführt. Haben Sie eine Frage? Dann schreiben Sie uns.